eine vielseitige Künstlerin der Klassischen Moderne.

Die Freskomalerin

 

Diapositiv von 1947, Chorbogen. Archiv der Christuskirche Rostock. Fotograf unbekannt. Digital nachbearbeitet Foto Jakob, Lindau. 

Mit Ende des 2. Weltkriegs war für Irma Lang-Scheer durch Vertreibung von Heimat und Familie in Brüsau die unabhängige wirtschaftliche Basis verloren gegangen.  Aber ihre fundierte Ausbildung machte es möglich, sich zum Broterwerb auf das Gebiet der Fresko- und Glasmalerie zu konzentrieren. Kirchliche Auftraggeber sicherten ihr ein Auskommen in der Wiederaufbauphase der 1950er bis in die 1960er Jahre hinein.   

Als ihr Lebenswerk bezeichnete die Künstlerin selbst den Auftrag für das 1947 geschaffene „Jüngste Gericht“ in fresco buono-Malerei in der Christuskirche in Rostock.

Dass die Christuskirche und damit ihr Herzenswerk 1971 aus politischen, nicht vorgeblich verkehrstechnischen Gründen durch die DDR gesprengt wurde, hat auch die Schaffenskraft der Künstlerin im Alter von nunmehr 70 Jahren zerstört. In diesem Werk hatte sie versucht, den Verlust der sudetendeutschen Heimat, von Mutter und Bruder bei Kriegsende zu verarbeiten.

Es stellte auf einem breiten Innenbogen des Altarraumes das “Jüngste Gericht“ und an den anschließenden Wänden der Apsis den 6. und 7. Posaunenengel aus der Johannis-Offenbarung, als Vorstufe zum Jüngsten Gericht dar, 15m hoch in 100 qm bemalter Fläche.

Linke Wand
Rechte Wand

Die Verlagsgruppe Schnell und Steiner: “Das Münster“ München 1949, Jahrgang 2, schreibt darüber

“Die Rostocker Christuskirche, erbaut 1909, erhielt an der spitzbogigen Triumphbogenwand 1947 von Frau Irma Lang-Scheer ein kolossales Fresko “Das Jüngste Gericht“, das als eines der größten Fresken der letzten Zeit angesprochen werden darf und in der russischen Besatzungszone (jetzt DDR) Aufsehen erregte. Die Künstlerin verwob die apokalyptischen Bilder mit ihren Erfahrungen in bitteren Bomben-Nächten, in denen 1944 auch die Christuskirche getroffen wurde und Opfer forderte …..An den seitlichen Wänden des Chorraumes sind die Szenen Apok.9, 13 und 6,16 wiedergegeben. Die große Komposition, verschiedene eigenstarke Szenen, die naturnahe Verbindung von Mensch und Kosmos, die zeichnerische Grundlage und der flächenhafte Freskostil, der tiefe Raumperspektiven meidet und dem sich auch der gedämpfte Farbenakkord einordnet, ließen ein bemerkenswertes Werk entstehen.“

 

 

Madonna, 1948, l. u. sign. ILS 86 x 74 cm Gouache auf Hartfaser Privatbesitz  Foto: Kurt Schneider

Welche Ausstrahlung diese Fresken an der Wand zum Chorraum und an den beiden Seitenwänden in Farbe gehabt haben müssen lässt sich an einer Gouache Madonna auf Spanplatte erahnen, die als Studie zeitnah um1947/1948 entstand.