eine vielseitige Künstlerin der Klassischen Moderne.

Die Ostdeutsche Galerie von 1966 – ab 2003 Kunstforum Ostdeutsche Galerie, (KOG)

Zur Gründungsgeschichte heißt es auf der offiziellen Website schwammig:

 “1966 Auf Initiative des Bundes, aller damaligen Bundesländer, der Stadt Regensburg sowie des Adalbert Stifter Vereins und Künstlergilde e.V. wird die Stiftung Ostdeutsche Galerie gegründet.” 1970: Eröffnung der „Ostdeutschen Galerie“ (Die Bestände des Adalbert Stifter Vereins und der Künstlergilde werden hier vereint.)

Wer ist der Bund, wer ist Bayern, wer ist Künstlergilde oder Stifter Verein?

Die handelnden Personen lt. Kabinettsprotokoll der Bundesregierung von 1966. nennt man nicht – und das hat seinen Grund:

Walter Boll, Ernst Schremmer (Künstlergilde e.V.) und der Vertriebenenpolitiker Walter Becher (Adalbert Stifter Verein) waren bis 1945 ausgewiesene Nationalsozialisten, die beiden Letzteren aus dem Sudetenland.

Das setzt sich bis heute so fort:

Zitat:

Die Ostdeutsche Galerie feierte ihren 50. Geburtstag

 Am 16. November 2016 feierte das Kunstforum Ostdeutsche Galerie seinen 50. Geburtstag. Viele Freunde des Hauses waren erschienen, um die Feier im bis auf den letzten Platz besetzten Grafiksaal mitzuerleben. Nach den freundlichen Glückwünschen des Regensburger Oberbürgermeisters Joachim Wolbergs überbrachte auch der Vertreter der bayerischen Staatsministerin für Arbeit und Soziales, Familie und Intergration, MinDirig Eugen Turi, die guten Wünsche der bayerischen Staatsregierung. ….. Von der Entstehung der Ostdeutschen Galerie aus der Sudetendeutschen Galerie des Adalbert Stifter Vereins und aus der Ostdeutschen Galerie aus der Esslinger Künstlergilde erfuhr der Zuhörer nichts. Damit blieben der Gründungsdirektor Dr. Walter Boll und so bedeutsame Förderer der Ostdeutschen Galerie wie Ernst Schremmer, Johanna Baronin von Herzogenberg oder Sieghard von Köckritz und andere bedeutsame Persönlichkeiten der ersten Stunde ungenannt. Bei diesem 50jährigen Jubiläum des Kunstforums Ostdeutsche Galerie hätte ein Rückblick in die Geschichte dieser bedeutenden Kunsteinrichtung in Regensburg einfach dazugehört.”

Die Direktorin Tieze blieb der Feier aus Krankheitsgründen fern.

Dem kann abgeholfen werden:

Walter Boll hat es verstanden, in seinem Beitrag zur Eröffnung der Ostdeutschen Galerie ein bemerkenswert unscharfes Bild von Inhalt und Umfang der Sammlungsbestände von Adalbert Stifter Verein und Künstlergilde zu zeichnen. Zur Herkunft - auch der eigenen Sammlung - nichts. Und das für wenigstens 9000 Inventarnummern.

Wer war Walter Boll, der Gründer und  erste Museumsdirektor?

Das Bild rundet sich zunehmend durch die Geschichtsforschung in Regensburg. War bisher schon bekannt: - „Er ließ sich durch nichts aufhalten, auch nicht durch die Nazis, deren Uniform er anzog, um „unsere Dinge irgendwie weiterzumachen“. Danach glitt er glatt in die neue Zeit hinüber, machte einfach weiter, wo er aufgehört hatte, und wurde später Kulturdezernent.“ (Manfred Sack im Gespräch mit Walter Boll. 9. Juli 1982 in die ZEIT). So zeichnen die anfangs 2019 veröffentlichten Ergebnisse der Autorin Waltraud Bierwirth und investigativer Journalisten in Regensburg ein Bild, das zwangsläufig die Geschichte der Ostdeutschen Galerie und die Herkunft der Sammlungsbestände erneut infrage stellt.

Auszüge zu Fragwürdige Rolle bei "Arisierungen" 15.2.2019 

 "Ein Blick in seine Entnazifizierungsakten lässt aber keinen Zweifel, dass Walter Boll sich lange vor seinem Eintritt in die NSDAP zum 1. Mai 1935 (Mitgliedsnummer 3613244) bereits am 1. Oktober 1933 der SA angeschlossen hatte und dort zum SA-Rottenführer aufstieg. Im Fragebogen zur Entnazifizierung verschwieg er seine SA-Mitgliedschaft."

"Über dieses formale Bekenntnis zu Nazi-Organisationen hinaus konnte Waltraud Bierwirth nun nach aufwändigen Forschungen aufdecken, dass Walter Boll als städtischer Gutachter oder als Direktor des im Aufbau befindlichen Museums direkt am Prozess der Verfolgung und Beraubung von Juden und Jüdinnen beteiligt war. Bierwirth konnte am Beispiel des NS-Kulturwarts Boll einen Einblick „in die Praxis reibungslos funktionierender Bürokratie im Ablauf  der sogenannten Arisierung“ gewähren."

Die Rolle Bolls in der als „Arisierung“ verbrämten Enteignung nachzuzeichnen, war alles anderes als einfach. Denn Boll habe, so Bierwirth, als Leiter des Stadtarchivs und des Denkmalpflegeamts die ihn belastenden Dokumente systematisch vernichtet. Sogar an das Bayerische Staatsarchiv nach Amberg abgegebene Akten seien gründlich gesäubert worden. Bierwirth: „Aus dem gebundenen Akt sind mit einem Messer über ein Dutzend Seiten herausgeschnitten – die Jahre der NS-Zeit.“ Das eine oder andere Dokument haben Boll und seine Säuberungsgehilfen allerdings übersehen, so etwa sein Gutachten von Oktober 1940 zum sogenannten Lerchenfelder Hof. Da die Besitzer dieses Anwesen, das in München lebende jüdische Geschwisterpaar Fanny und Albert Seligmann, Nazi-Deutschland verlassen und zuvor das Anwesen verkaufen wollten, brauchten sie, so Bierwirth, eine Unbedenklichkeitsbescheinigung des Finanzamts."

"Der NS-Multifunktionär Walter Boll verstand es anscheinend problemlos, Denkmalpflege und „Arisierung“, Altstadtpflege und „Großreinemachen“ nach NSDAP-Art, historische Forschungen und Naziausstellungen (wie die im Januar 1936 im Saal des Kunstvereins gezeigte Wanderausstellung „Entartete Kunst“) unter seinen braunen Opportunisten-Hut zu bekommen."

"Bierwirth geht darüber hinaus davon aus, dass Boll auch Kunstschätze ungeklärter Provenienz in die von ihm mitgegründete Ostdeutsche Galerie (deren Stiftungsvorstand er von 1966 an über Jahrzehnte war) einbrachte. Es sei überfällig, so Bierwirth, „dass über 70 Jahre nach Kriegsende die Herkunft aller Bilder im Kunstforum Ostdeutsche Galerie erforscht wird.“

Im Jahr 1980 wurde der Gründer und  Museumsdirektor bis 1978  Ehrenbürger von Regensburg. So verfälscht das KOG aktuell die eigene Geschichte.